In Marls Wäldern gehören Motorsägen und gesperrte Wege aktuell zum Alltag. Viele Bürgerinnen und Bürger sind besorgt. Doch der Zentrale Betriebshof der Stadt Marl (ZBH) gibt Entwarnung: Es handelt sich nicht um eine Zerstörung, sondern um gezielte Pflege für einen stabilen Mischwald. Warum das ausgerechnet im Winter geschieht, erklärt der ZBH jetzt.
„Holzernte und Waldpflege fördern sichere und klimastabile Wälder, Biodiversität und die Wertschöpfung von heimischem Holz“, sagt Maike Willuweit, Leitung Forst.
Mit Blick auf eine gedeihliche Entwicklung der Natur und unter Einhaltung der Brutschutzzeit können planbare Holzarbeiten in größerem Umfang nur in den Wintermonaten durchgeführt werden. So sieht man in dieser Zeit Forstwirte und Forstarbeiter mit Schutzhelmen und Motorsägen im Wald. „Durchforstungs- und Pflegeeingriffe sorgen dafür, die Stabilität und Vitalität unserer Wälder langfristig zu erhöhen“, so Willuweit.
So werden ausgewählte Zukunftsbäume behutsam freigestellt, sogenannte „Bedränger“ werden entnommen. Willuweit erklärt weiter: „Es werden Raum und Licht geschaffen, damit Naturverjüngung und aktiv gepflanzte, standortgerechte, klimaangepasste Baumarten etabliert werden können“. Das Ziel: ein strukturreicher, stufiger Mischwald - alt neben jung, groß neben klein, dick neben dünn.
Neben den Arbeiten im landeseigenen Wald, organisieren auch die Forstämter, die sich in erster Linie um den Privatwald kümmern, aktuell etliche dieser Maßnahmen. So auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofes in Marl, welche in diesen Wochen und Monaten zahlreiche Einschlagsmaßnahmen in den Waldbeständen vorbereiten. Dabei werden gezielt auch instabile und geschädigte Bäume entnommen. Diese verlieren schnell an Stand- und Bruchsicherheit; Kronenteile können herabfallen, Stämme können brechen oder umstürzen. „Priorität haben Gefahrenbäume entlang von Straßen, Parkplätzen und Erholungseinrichtungen“, erklärt Willuweit.
Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich: Warum werden Bäume im Winter gefällt? Willuweit: „Dann stehen die Bäume nicht ‚im Saft‘, was so viel bedeutet wie, dass sie nicht vital, gesund oder in ihrer vollen Kraft sind“. Das verringert mögliche Fällungsschäden am verbleibenden Bestand und noch wichtiger: Die Forstwirtinnen und Forstwirte können eventuelle Gefahrenquellen der laublosen Bäume besser einsehen. Was viele unterschätzen: Baumfällungen sind und bleiben einer der gefährlichsten Arbeiten in freier Natur. Aus diesem Grund kann es während der Arbeiten auch zeitweise zu Wegesperrungen oder Umleitungen kommen. Diese dienen ausschließlich der Sicherheit.
Die gefällten Stämme werden anschließend in gesamter Länge oder definierten Abschnittslängen an die Hauptabfuhrwege gezogen. Diese Holzrückung erfolgt auf extra dafür vorgesehenen Rückegassen. Das Holz wird bis zur endgültigen Abfuhr in sogenannten „Poltern“ gelagert. Auch hier gilt die dringende Bitte: Diese keinesfalls betreten oder erklettern!
Das Ziel der Ernte des Holzes ist seine möglichst lange „stoffliche“ Nutzung – im Bau, im Innenausbau, in der Holz- und Möbelwirtschaft. Ein weiterer Vorteil: „Nachdem die Bäume CO2 aus der Luft aufgenommen haben, speichern sie den darin enthaltenen Kohlenstoff. Holzprodukte können diesen Kohlenstoff langfristig binden und energieintensive Materialien teilweise ersetzen“, erklärt Willuweit.
Wo es eben möglich ist, werden ökologisch wertvolle Strukturen gezielt bewahrt und gefördert: Biotopbäume – das sind Höhlen-, Horst- und Habitatbäume mit besonderen Strukturen – werden erhalten, Totholz und Kronenmaterial belassen und strukturreiche Waldränder gefördert. So werden Lebensräume für Insekten, Vögel, Fledermäuse und viele weitere Arten gesichert und weiterentwickelt.